Hyperemesis Gravidarum

Meine 3 Schwangerschaften mit Hyperemesis Gravidarum

  • 10. Februar 2018

Schon 6 Monate nach unserer Hochzeit, wurde ich eeeeendlich schwanger. Ich konnte es kaum glauben, die Welt stand Kopf und ich war überglücklich. Auch die Familie freute sich sehr. Alles war neu, wann kommt endlich der erste Ultraschall, wird alles gut gehen, Mädchen oder Junge….? So viele Fragen schwirrten in meinem Kopf herum. An alles dachte ich, nur nicht an Hyperemesis Gravidarum.

Langsam begann die  morgendliche Schwangerschaftsschaftsübelkeit und ich muss ehrlich sagen, ich war fast stolz darauf, jetzt auch ein „wirkliches“ Schwangerschaftssymtom zu haben. Dies änderte sich leider sehr rasch und aus der normalen Schwangerschaftsübelkeit wurde die Hyperemesis Gravidarum. Das übermäßige Schwangerschaftserbrechen. Aus einmal in der Früh erbrechen wurden 30 Mal am Tag, und nichts blieb mehr im Körper, kein Essen, kein Trinken.

Bereits in der 8 Woche lag ich im Krankenhaus und war völlig dehydriert. Dazu kamen noch andere körperliche Probleme und aber da ich sowieso schon so schwach war und 8 kg abgenommen hatte war es keine Überraschung, dass ich nun auch noch liegen sollte. Ich war sehr sehr erschöpft. Die Freude über die Schwangerschaft wurde zu einem Gefühl der völligen Überforderung. Ich lag immer wieder im Krankenhaus und dann wieder zuhause, konnte mich kaum auf den Beinen halten, war auf viel Hilfe von meinem Mann und meiner Mutter angewiesen und verstand die Welt nicht mehr.

Hyperemesis Gravidarum ist eine unglaublich gemeine Krankheit die so zahlreiche Facetten hat. Immer noch werden Frauen, die darunter leiden nicht genug ernst genommen. Auch ich musste viele Vorurteile über mich ergehen lassen, von Menschen die mich in dieser Situation nicht ernst genommen hatten. Ich bin sehr dankbar, dass sich nun immer mehr Frauen in Gruppen zusammenschließen, die alle an dieser Krankheit leiden und sich gegenseitig den Rücken stärken.

Irgendwie kämpfte ich mich durch die ersten 25 Wochen und dann wurde es endlich besser. Bis zum Tag der Geburt habe ich dann „nur“ noch 1 Mal am Tag erbrochen. Ich bekam eine gesunde Tochter mit Kaiserschnitt auf die Welt. Die Geburt hat mich sehr geschwächt. Ich brauchte 6 Monate um mich von der Geburt und der mühsamen Schwangerschaft zu erholen um endlich mein Kind genießen zu können. Über den Kaiserschnitt werde ich noch einmal genauer schreiben, aber ich möchte mich in diesem Beitrag auf die Schwangerschaften konzentrieren.

Es war für uns klar, dass wir gerne mehrere Kinder haben wollen. Jedoch war ich von der ersten Schwangerschaft doch etwas traumatisiert, da ich einfach immer ein Bild von einer glücklichen Schwangeren vor Augen hatte und ich diesem Bild einfach nicht entsprach. Zwar innerlich glücklich und dankbar für dieses kleine Wesen, das in mir heranwachsen durfte aber körperlich völlig erschöpft. Nun stellte sich für mich ständig die Frage, ob die erste Schwangerschaft ein Einzelfall gewesen ist oder ob es mir nun bei jeder Schwangerschaft so schlecht gehen wird? Ist also jede Schwangerschaft bei mir eine mit Hyperemesis Gravidarum?

Ich vertröstete mich damit, dass es wohl ein Ausrutscher war und es mir beim zweiten Kind bestimmt besser gehen wird. Und es war gut so, sonst wäre es mir viel schwerer gefallen mich erneut darauf einzulassen.

Als mein erstes Kind ein Jahr alt war, wurde ich wieder schwanger und bereits in der 6 Woche ging es mir unglaublich schlecht. Sehr schnell war ich wieder an dem Punkt, dass ich ins Krankenhaus musste. Inzwischen kümmerten sich mein Mann und meine Mutter liebevoll um meine kleine Prinzessin bzw. versuchte ich nach dem Krankenhausaufenthalt so gut ich konnte für sie da zu sein. Sobald ich meine Tochter ansah wusste ich warum sich dieses Leiden so auszahlt. Die Liebe zu meinen Kindern ist unfassbar groß und sie sind so wunderbare Geschöpfe, für die es sich lohnt wochenlanges Erbrechen auf sich zu nehmen. Es war so sinnvoll und dennoch so schwierig.

In meiner zweiten Schwangerschaft dauerte diese schlimme Zeit zum Glück nur bis zur 16. Woche und es ging mir danach auch rascher wieder besser. Ich konnte meine zweite Tochter natürlich zur Welt bringen, wofür ich sehr dankbar bin. Nach dieser zweiten Schwangerschaft war mir klar, dass ich mich wohl damit abfinden muss, dass schwanger zu sein für mich bedeutet, in den ersten Wochen wirklich sehr zu leiden und es für mich tatsächlich immer eine Überwindung bedeutet mich erneut darauf einzulassen, obwohl ich weiß, dass ich dafür tausendfach belohnt werde.

Bald war ich mit meinem dritten Kind schwanger und es ging mir 14 Wochen sehr schlecht und dann ziemlich rasch ganz gut. Es war die bis jetzt ´beste´ Schwangerschaft, obgleich sie noch immer sehr kräftezehrend für mich war. Aber ich konnte relativ rasch wieder gut für meine Kinder sorgen und den Alltag mit zwei kleinen Kindern meistern.

Alle Schwangerschaften haben mir meine Grenzen aufgezeigt, aber auch wozu ich fähig bin. Was ich alles aushalten und durchhalten kann. Ich habe erfahren, dass ich nicht immer alles planen kann, wie ich es so gerne tue. Dass ich mich darauf verlassen kann, dass Gott der uns die Kinder schenkt auch alles zum Guten wendet. Dass ER für uns sorgt.

Ich muss rückblickend sagen, dass ich in jeder Schwangerschaft immer sehr viel Hilfe hatte, von meinem Ehemann, für den es auch nicht immer leicht war, von meiner Mutter die mir und meinen Kindern stehts liebevoll zur Seite stand und vielen Freunden. Es ist sehr schön für mich, diese Erfahrung gemacht zu haben und in Zeiten des Leidens nicht alleine sein zu müssen. Ich bin unglaublich dankbar dafür, und weiß dass dies keine Selbstverständlichkeit ist und es viele Frauen gibt, die sich alleine durchkämpfen müssen.

Ich möchte mit diesem Text allen Frauen Mut machen, die vielleicht gerade selbst eine schwierige Schwangerschaft haben oder wie ich an Hyperemesis Gravidarum leiden. Haltet euch immer vor Augen, welchen Lohn ihr erhalten werdet. Wenn ich meine Kinder ansehe, ihr Lachen, ihre Liebe spüre, dann kann ich nur sagen, dass es sich auszahlt und dass es für mich nichts Sinnvolleres gibt!

 

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